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„Weil ich ein Neusser bin!“

DIE WELT DES SPORTS

„Weil ich ein Neusser bin!“

Die „Neusser Sängerknaben“: (v.l.) Martin Wagner, Tim Blasberg , Carsten Fischbach, Robin Joseph, Christoph Garbotz, Christoph Martial, Gregor Steins, Patrick Joseph, Sebastian Draguhn, Kapitän Sebastian Pelzer, Carlos Navarrete und Ralf Schroeder. NGZ-Foto: K. Bolte

 

 

VON DIRK SITTERLE

Da, wo eben noch mehr als 1000 Zuschauer die Halle am Kanal in ein Tollhaus verwandelt hatten, wurde es plötzlich mucksmäuschenstill.

In Frankenthal, mitten in der Höhle des Löwen, sangen gut 200 Anhänger des Hockey-Bundesligisten HTC SW gemeinsam mit den Spielern aus vollen Kehlen das Neusser Heimatlied: „Dort, wo die Erft den Rhein begrüßt …“ Rheinische Klänge eroberten die Vorderpfalz - ein ganz besonderer Moment, der wohl nur emotionalen Eisblöcken nicht ans Herz ging. Gänsehautatmosphäre.

Mit dem 7:5-Erfolg (Halbzeit 2:3) im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft - von der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ im Vorfeld als „die hochkarätigste Hockey-Begegnung in Frankenthal seit gut 20 Jahren“ bezeichnet - haben sich die Schwarz-Weißen mal wieder selber übertroffen, stehen am kommenden Wochenende in Hamburg nur gut sieben Monate nach ihrer ersten Final-Four-Teilnahme auf dem Feld erneut in einer DM-Endrunde. Da macht es mächtig stolz, im Schatten des Quirinus-Münsters aufgewachsen zu sein: „… und singe dir ein Gloria, weil ich ein Neusser bin.“

Hingabe und Emotion aber waren am Samstag nicht alles, was die Gäste vor ausverkauften Rängen - noch einmal rund 1000 Fans (!) verfolgten das Geschehen beim „Public Viewing“ auf einer Großleinwand in der nahe gelegenen Messehalle - zu bieten hatten.

Die Schützlinge von Trainer Carsten Fischbach zeigten sich taktisch äußerst variabel und behielten selbst in kritischen Phasen kühlen Kopf. So steckten sie auch den 0:2-Rückstand nach schnellen Treffern von Thomas Vicca (2./9.) locker weg. „Das hat uns nicht aus der Ruhe gebracht“, bestätigte Stürmer Philipp Weide.

Zwar gingen die Hausherren nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Tore von Christoph Garbotz (12.), der gleich die erste Strafecke nutzte, und Lukas Blasberg (17.) dank des dritten Streichs Viccas (25.) mit einem 3:2-Vorsprung in die Kabine. „Doch das war für uns kein Grund, in Hektik zu verfallen“, versicherte Fischbach.

Für Halbzeit zwei verpasste der Coach seinen Mannen um den einmal mehr bärenstarken Torhüter Martin Wagner genau die richtige Taktik. „Was die Mannschaft nach der Pause gezeigt hat, war einfach nur unglaublich“, lobte HTC-Manager Horst Busse.

Bemerkenswert daran: Natürlich drückten individuell überragende Akteure wie Jannik Otto, dem Team-Betreuer Ralf Schroeder „eine Weltklasseleistung“ attestierte, der mitreißenden Partie ihren Stempel auf, aber die furios aufspielenden Neusser überzeugten vor allem als Mannschaft. Schlagender Beweis: Die sieben Treffer wurden von sieben unterschiedlichen Spielern erzielt.

Tim Blasberg glich nach Doppelpass mit Sebastian Draguhn aus (34.), Otto besorgte nach einem schnell ausgeführten Freischlag von Garbotz die erste Führung (43.). Das 5:3 von Routinier Sebastian Pelzer nach der dritten Neusser kurzen Ecke (49.) beantwortete Christian Trump zwar postwendend (50.), als jedoch Robin Joseph kurz darauf die Kugel zum 6:4 (51.) ins Netz zirkelte, wusste auch Draguhn, „dass hier nichts mehr schief gehen kann“.

Dem Weltmeister höchstpersönlich war es dann vorbehalten, mit dem 7:4 (54.) alles klar zu machen. Viereinhalb Minuten vor dem Ende brachte Frankenthal für Torhüter Fabian Rozwadowski mit Philipp Collot einen sechsten Feldspieler, mehr als das 5:7 (Zilg/58.) sprang dabei indes nicht mehr heraus.

Im Halbfinale wartet nun Alster Hamburg. Neuss ist Außenseiter, das weiß auch Draguhn. „Aber wenn wir so spielen wie in Frankenthal, soll uns erst mal einer schlagen.“

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