DIE WELT DES SPORTS
Mit festem Blick in die Zukunft
VON DIRK SITTERLE -
Es läuft wieder rund beim HTC SW Neuss. Nur eine Woche nach dem so extrem unglücklich verpassten Aufstieg in die 1. Damenhockey-Bundesliga - im Fernduell mit dem Düsseldorfer HC fehlte am Ende gerade mal ein Törchen zum Titel - gab es nun gleich zwei Mal Grund zur Freude.
Zum einen hob das Schiedsgericht die einjährige Sperre für Weltmeister Sebastian Draguhn auf, zum anderen ist der Verein auf der Suche nach einem Trainer für die Damen-Mannschaft endlich fündig geworden: Am 1. August tritt Dariusz Musialowski die Nachfolge des zum Erstligisten RW Köln (Damen) wechselnden Markus Lonnes an.
Musialowski, als Aktiver mit Polen auch bei Welt- und Europameisterschaften im Einsatz, betritt in Neuss kein völliges Neuland. Als Trainer des Gladbacher HTC betreute er in der Jugend die inzwischen allerdings vom Rhein an die Elbe gewechselte Nationalspielerin Lisa Hahn (UHC Hamburg), mit Andy Bauch, verantwortlich für die Bundesliga-Herren des HTC Schwarz-Weiß, spielte er nicht nur gemeinsam beim GHTC Hockey, die beiden haben mit Vliesstoff Kasper in Mönchengladbach auch den gleichen Arbeitgeber.
Manager Horst Busse kennt er ebenfalls seit Jahren. Er schätzt die in Neuss ums Hockey geleistete Arbeit, und darum kratzte es ihn auch nicht mehr, dass ihm gestern, gut 36 Stunden nach der Vertragsunterzeichnung im Klubheim an der Jahnstraße, noch ein weiteres Angebot aus den Niederlanden auf den Schreibtisch flatterte. „Ich freue mich auf die Aufgabe in Neuss“, sagt er.
Der Mann hat was zu bieten: In Polen hängte er an die mit dem Abitur verknüpfte Ausbildung zum Vermessungstechniker ein ordentliches Studium zum Diplom-Hockeytrainer und Sportlehrer an der Sportakademie in Posen (Poznan) an. Nach Deutschland brachte den Nationalspieler 1993 ein Angebot des Gladbacher HTC.
Am Niederrhein fühlt er sich pudelwohl, hier will er gar nicht mehr weg. Um seine Verbundenheit mit Deutschland und die gelungene Integration zu dokumentieren, hat der stolze Familienvater, der mit seiner deutschen Frau Birgit und dem siebenjährigen Sohn Jan in Mönchengladbach lebt, im vergangenen Jahr neben der polnischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt.
„Polen bleibt immer meine Heimat, in Deutschland bin ich zu Hause“, sagt er. Inzwischen träumt er sogar auf Deutsch. Gekommen ist er einst als Hockey-Spieler, doch mittlerweile ist er richtig froh, dass er von seinem Lieblingssport nicht mehr als Hauptamtler abhängig ist. Seine Arbeit beim Spezialisten für Reinigungstücher, für den er im Versand und als Betriebslogistiker tätig ist, möchte er keinesfalls missen.
Trotzdem hätte er sich auch ein Engagement als Coach in der 1. Liga vorstellen können. „Das kannst du mit dem Job noch ganz gut verbinden“, findet er. Den Beweis könnte er nun in Neuss antreten. Ob ihm mit dem HTC das gleiche Kunststück gelingt wie in den Niederlanden mit dem Venlose Hockey-Club, den er von der 3. in die 2. Liga führte, hängt für Musialowski freilich stark von einer Personalie ab: Nur mit Olympia-Teilnehmerin Lina Geyer im Kader hält er seine neue Truppe für einen Titelkandidaten. Bundestrainer Michael Behrmann sähe die 22-Jährige indes lieber bei einem im Oberhaus spielenden Klub.
Schlägt der Versuch fehl, sie weiter zu halten, ist Musialowski, der möglichst bald sowohl mit Geyer als auch mit Behrmann das Gespräch suchen will, vor der Zukunft jedoch nicht bange. „Wir müssen ein, zwei Jahre überbrücken, dann rücken starke Spielerinnen aus der Jugend nach.“ Hört sich ganz danach an, als identifiziere er sich schon jetzt 100-prozentig mit dem HTC.




