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Angeschlagen, aber nicht ausgeknockt

DIE WELT DES SPORTS

Angeschlagen, aber nicht ausgeknockt

 VON DIRK SITTERLE -Hinter Sebastian Draguhn liegt ein ganz schweres Jahr: Zunächst flog der Hockey-Spieler des HTC SW Neuss im letzten Moment aus dem Kader für die Olympischen Spiele.

In Peking holte Deutschland bekanntlich Gold. Und dann wurde er wegen einer verpassten Dopingprobe für ein Jahr gesperrt. Die Sperre wurde inzwischen aufgehoben. Der Weltmeister blickt im Gespräch mit der NGZ auf die extrem belastenden Monate zurück. Trotz allem: Seinen Optimismus hat der 25-Jährige nicht verloren.

Herr Draguhn, das Deutsche Sportschiedsgericht hat die Entscheidung der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Hockey-Bundes, sie wegen eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Richtlinien der NADA für ein Jahr zu sperren, aufgehoben. Wie geht’s Ihnen jetzt?

Sebastian Draguhn Ich bin einfach nur total erleichtert - und natürlich auch überglücklich. Der Eingriff hat mich schon sehr belastet.

Weil Sie plötzlich kein Hockey mehr spielen durften?

Draguhn Klar! Ich spiele seit meinem sechsten Lebensjahr Hockey, und auf einmal darfst du deinen Sport nicht mehr betreiben. Ich durfte beim HTC Schwarz-Weiß Neuss mit meinen Teamkollegen vom Hockey, den Blasberg-Brüdern, ja noch nicht mal bei Tennis-Medienspielen mitmachen, weil ich für alle Verbände, die sich den Regelungen des NADA-Codes unterworfen haben, gesperrt war.

Eine wahrscheinlich nur sehr schwer zu ertragende Situation, vor allem für jemanden, der gar nicht gedopt hat.

Draguhn Genau. Ich habe nie irgendwas mit Doping zu tun gehabt. Ich weiß nicht, wie viele hundert Male ich kontrolliert worden bin.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Draguhn Ganz ehrlich, ein, zwei schlaflose Nächte waren schon dabei. Plötzlich steht das Telefon nicht mehr still, alle möglichen Pressevertreter wollen was von Dir wissen. Ich weiß gar nicht, wie viele unbekannte Nummern ich auf meinem Handy hatte. Ich bin auf der Straße von Menschen angesprochen worden, die kannte ich zum Teil noch nicht mal. Das war übel. Diese Zeit wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht.

Haben Sie in diesen Monaten - der Ihnen zur Last gelegte Verstoß liegt ja mittlerweile schon fast ein Jahr zurück - nicht hin und wieder daran gedacht, einfach aufzuhören?

Draguhn Solche Gedanken gehen einem schon mal durch den Kopf, einfach weil die ganze Sache so total ungerecht ist. Aber man hat auch seinen Stolz, der verbietet es einem, einfach aufzugeben. Dieser Gedanke war tief verankert in mir.

Die Sperre war indes nur der negative Höhepunkt eines absoluten Seuchenjahres für Sie. Zuerst die Nichtnominierung für die Olympischen Spiele, wo Ihre Kollegen dann Gold holten …

Draguhn … das ging wirklich Schlag auf Schlag. Dazu kam Anfang des Jahres noch, dass ich bei meinem Freischuss - ein Angebot der Uni für ganz fixe Studenten - haarscharf durchs Jura-Examen gefallen bin.

Wie übersteht man das alles, ohne komplett durchzudrehen?

Draguhn Gott sei Dank gab es sehr viele Leute, die mir ihre Solidarität gezeigt haben. Zahlreiche Nationalmannschaftskollegen, aktuelle wie ehemalige, haben mir nette E-Mails geschrieben. Das hat mir sehr geholfen. Aber ohne meinen Bruder Thomas hätte ich das nie geschafft. Ich weiß wirklich nicht, ob ich das alles ohne seine Unterstützung überstanden hätte. Jetzt kann ich das erste Mal seit Monaten wirklich durchpusten - und es beginnt endlich wieder der Alltag.

Und in dem haben Ihre Kollegen von Schwarz-Weiß Neuss in der Bundesliga-Abstiegsrunde ohne Sie kaum ein Bein auf den Boden gebracht.

Draguhn Das tat mir in der Seele weh. Wenn du verletzt am Seitenrand stehst, ist das auch nicht schön, aber das kannst du aushalten. Aber wenn du da draußen stehst und darfst einfach nicht mitspielen - das ist die Hölle!

Nach drei Spielen hat der HTC nur ein kümmerliches Pünktchen auf seinem Konto. Glauben Sie wirklich noch an den Klassenerhalt. Und wie fit sind Sie?

Draguhn Hundertprozentig! Ich habe in der ganzen Zeit kaum eine Trainingseinheit verpasst. Was den Klassenerhalt angeht, bin ich tatsächlich noch guter Dinge.

Wirklich?

Draguhn Ja. Wir wollen das Unmögliche wahr machen. Wir haben gezeigt, dass es geht. Alles steht und fällt mit dem ersten Spiel beim Düsseldorfer HC (das Lokalderby steigt am 27. Juni auf der Anlage am Seestern, Anm. d. Redaktion). Wenn wir da gewinnen, haben wir wieder eine echte Chance.

Dirk Sitterle führte das Gespräch.

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