Direkt zum Inhalt
Macht Sport
Logo: Kreissportbund Neuss e.V.

„Ich will den nächsten Schritt machen“

DIE WELT DES SPORTS

„Ich will den nächsten Schritt machen“

VON DAVID BEINEKE Wenn am 4. Juli die Tour de France in Monaco beginnt, wird auch das neunköpfige Aufgebot des Teams Milram an der Startlinie stehen. Als der einzige verbliebene deutsche ProTour-Rennstall am Mittwoch in Dortmund seine Fahrer für die Große Schleife präsentierte, war natürlich auch der Kaarster Markus Fothen dabei (die NGZ berichtete).

Der Kaarster Radprofi Markus Fothen (l.) im Gespräch mit seinem neuen Chef: Der Niederländer Gerry van Gerwen ist Manager des Teams Milram, das am Mittwoch in Dortmund seine Mannschaft für die Tour de France präsentierte. Foto: H. Roth

 

Nach drei Teilnahmen mit dem Team Gerolsteiner geht der 27-Jährige mit dem neuen Arbeitgeber in seine vierte Tour de France. Die Team-Präsentation in der Westfalen-Halle nahm NGZ-Sportredakteur David Beineke zum Anlass, um mit Fothen über den bisherigen Saisonverlauf in neuem Umfeld und seine Rolle bei der Tour de France zu sprechen.

Herr Fothen, Sie waren nach fünf Jahren beim Team Gerolsteiner gezwungen, das Team zu wechseln. Wie haben Sie sich eingelebt?

Markus Fothen Nach so einer langen Zeit war das schon eine große Umstellung, obwohl es noch viele andere gab, die von Gerolsteiner zu Milram gewechselt sind. Der größte Unterschied liegt in der Art und Weise, das Team zu führen. Hans-Michael Holczer war eher die Vaterfigur, der sich um alles gekümmert hat, Gerry van Gerwen hält sich eher zurück und verteilt die Arbeit. Da kommt es manchmal noch zu Abstimmungsproblemen zwischen Betreuern, Mechanikern und Physiotherapeuten. Ich habe den Eindruck, dass sich die Hierarchien noch finden müssen.

Wie kommen Sie mit den neuen Mannschaftskollegen zurecht?

Fothen Da gibt es keine Probleme. Schwieriger wäre es gewesen, wenn ich zu einem ausländischen Team gewechselt wäre. Aber so kannte ich die meisten Kollegen. Entweder aus der Zeit bei Gerolsteiner, aus der Jugend oder von anderen Rennen. Auch Christian Henn als Sportlicher Leiter ist mir natürlich bestens bekannt.

Was hat sich für Sie in Sachen Training und Saisonplanung geändert?

Fothen Das läuft alles wie bisher. Zu Jahresbeginn gab es zwei Trainingslager auf Mallorca, die zum großen Teil auch dem Team-Building dienten. Und im Vorfeld der Tour-Präsentation haben wir uns getroffen, um mal das Mannschaftszeitfahren zu trainieren. Aber ansonsten ist jeder alleine für sein Training verantwortlich. Da arbeite ich weiter mit Jens Lang zusammen, den ich noch aus meiner Zeit beim Team Köstritzer kenne. Mit ihm habe ich entschieden, meine Trainingskilometer um 10 Prozent zu steigern.

Das bedeutet?

Fothen Bislang habe ich gut 28 000 Kilometer im Jahr trainiert, Ende 2009 werden es an die 31 000 sein.

Eine Konsequenz aus den beiden vergangenen Jahren, die nicht so gut für Sie liefen?

Fothen Ich will einfach den nächsten Schritt machen. 2007 habe ich mir mit Blick auf die Tour zu viele Rennen aufgehalst, im vergangenen Jahr hatte ich das Gefühl, dass als Kapitän zu viel an mir hing. Hinzukam noch der heftige Sturz kurz vor der Tour bei der DM. Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal den Giro als Tour-Vorbereitung gefahren und habe mir gute Wettkampfhärte geholt.

Wie sehen Sie den bisherigen Saisonverlauf?

Fothen Da klopfe ich auf Holz, denn das Wichtigste ist, dass ich bislang von schweren Verletzungen verschont geblieben bin. Bei der Türkei-Rundfahrt hat mich zwar ein Sturz einen Etappen-Sieg gekostet, und bei der Romandie-Rundfahrt musste ich wegen Fieber aussteigen, aber ansonsten lief es gut. Ich denke, ich fahre in guter Form zur Tour.

Wie kommen Sie damit klar, dass Sie bei Milram anderen die Kapitänsrolle überlassen müssen?

Fothen Das ist eine Entscheidung, die auf den Leistungen der Vergangenheit beruht. Und weil es bei mir in den beiden vorigen Jahren nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe, ist das völlig okay. Meine Aufgabe wird es sein, Linus Gerdemann in den Bergen so lange wie möglich zu unterstützen. Und wenn ich darüber hinaus noch Reserven haben sollte, werde ich gucken, was für mich noch möglich ist. Allerdings muss ich meine Aufgabe zu 100 Prozent erfüllen, denn sonst leidet die ganze Mannschaft darunter.

Im Zusammenhang mit der Tour rückt sicher auch das Thema Doping wieder mehr in den Fokus. Milram vertritt da einen sehr konsequenten Standpunkt.

Fothen Das war beim Team Gerolsteiner genauso. Der Radsport befindet sich in einer heiklen Situation, in der jeder Fahrer eine große Verantwortung übernehmen muss. Aber man guckt ja keinem hinters Gesicht.

SPORTSUCHE







Zeig die rote karte