DIE WELT DES SPORTS
Neun kommen aus der Tour
VON VOLKER KOCH - Trotz abgespeckten Etats hat die Qualität des Fahrerfeldes nicht gelitten bei der 8. Tour de Neuss. Neun Fahrer kommen direkt von der Tour de France auf die Kaiser-Friedrich-Straße, darunter Etappensieger Heinrich Haussler.
Kommt als bisher einziger deutscher Etappensieger der Tour de France am Mittwoch zur Tour de Neuss: Heinrich Haussler. Foto: APDopingproblematik und Wirtschaftskrise – an der Tour de Neuss scheint beides mehr oder weniger spurlos vorübergegangen zu sein. "Natürlich haben wir uns diesmal ganz besonders abstrampeln müssen, um den Etat zusammen zu bekommen", sagt Stephan Hilgers. Der Vorsitzende des Neusser Radfahrervereins (NRV) macht kein Hehl daraus, dass die Finanzmittel für die achte Auflage des Radsportspektakels am kommenden Mittwoch (29. Juli) geringer sind als in den Vorjahren. "Aber die Qualität des Fahrerfeldes hat darunter nicht gelitten", meint Andreas Kappes. Der frühere Sechstage-Spezialist zeichnet gemeinsam mit dem ehemaligen Sprinterkönig Erik Zabel für die Verpflichtung der Pedaleure verantwortlich, die sich um 19.15 Uhr an der Startlinie auf der Kaiser-Friedrich-Straße aufstellen werden, um die 90 Runden gleich 81 Kilometer um den "Großen Preis des SKg-Getränkehandels" in Angriff zu nehmen.
Kinder spielen im Konzept der Tour de Neuss eine große Rolle. Ab 15 Uhr dürfen sie am Mittwoch die Rennstrecke mit Straßenkreide bemalen, ab 18.15 Uhr mit den Elitefahrern eine Runde drehen. Anmeldungen hierzu nimmt Anita Michalsky (Tel. 0172/52 18 589) bis Montag entgegen. Verkehrssicheres Fahrrad und Helm sind mitzubringen.
Alleine neun von ihnen sind bis Sonntag bei der Frankreich-Rundfahrt im Einsatz. Neuss sieht das erste Rennen auf deutschem Boden nach der Tour de France, nachdem die anderen Veranstalter in der Region – Ratingen, Krefeld, Rheydt – aufgegeben haben. Wie so viele andere Radrennen auch: "Früher konntest du an einem Wochenende zwischen drei Rennen wählen, mittlerweile bist du froh, wenn du überhaupt irgendwo eins findest", sagt der aus Uedesheim stammende Jungprofi Joachim Tolles. Weil das so ist, können die Fahrer nicht mehr so hohe Antrittsgagen verlangen wie in den Jahren des Radsport-Booms – ein Vorteil für jene Veranstalter, die langen Atem beweisen. So wie die NRV-Crew um Stephan Hilgers, Uwe Pommer, Anita Michalsky und Rudi Hahne. "Neuss zeichnet sich dadurch aus, dass hier mit sehr viel persönlichem Engagement gearbeitet wird", sagt Herbert Napp. Der Bürgermeister muss es wissen, schließlich ist er von Beginn an als Schirmherr dabei.
Auf seinen Lieblingsfahrer muss Napp in diesem Jahr allerdings verzichten: Jens Voigt hätte der Stallorder des Saxobank-Teams gehorchend bei der Dänemark-Rundfahrt starten müssen. "Das Thema hat sich durch seinen schweren Sturz leider erledigt, wir sind in Gedanken bei ihm", sagt Kappes. Statt mit ihrem Tour de France-Botschafter macht die Stadt nun mit einem eigenen "Quirinus-Team Stadt Neuss" auf sich aufmerksam, für das neben Lars Teutenberg, Christoph Breuer und dem am Quirinus-Gymnasium als Lehrer tätigen Jonas Owczarek gestern noch Andreas Beikirch verpflichtet wurde.
Der hat die erste Tour de Neuss, damals noch auf der Drususallee, gewonnen. Von den anderen Siegern sind in der kommenden Woche noch die der vergangenen drei Jahre, Markus Fothen (2006), Fabian Wegmann (2007) und Gerald Ciolek (2008) am Start. Das Milram-Trio ist derzeit ebenso wie ihre Teamkollegen Christian Knees und Johannes Fröhlinger in Frankreich unterwegs, die anderen Tour-Starter sind Sebastian Lang (Silence Lotto), Toni Martin (Team Columbia), der auf den schweren Alpenetappen den Kampf ums weiße Trikot für den besten Jungprofi verlor, Heinrich Haussler (Cervelo), der am Freitag im Alleingang die 13. Etappe von Vittel nach Colmar gewann und damit für den bisher einzigen deutschen Etappensieg in diesem Jahr sorgte, sowie Grischa Niermann (Rabobank).
Ob sie den Sieg unter sich ausmachen? Immerhin sind in Thomas Fothen (Milram), Andre Greipel, Marcel Sieberg (beide Columbia)und Paul Martens (Rabobank) noch weitere starke Fahrer gemeldet. Und Überraschungen sind auf dem 900 Meter langen Rundkurs nie ausgeschlossen.




