DIE WELT DES SPORTS
Dürfen uns nicht aufgeben
VON VOLKER KOCH - Von der Finanzfront gibt es wenig Neues, und im Gastspiel beim TV Großwallstadt muss der TSV Dormagen weiter auf zwei Spieler verzichten. Trotzdem sagt Trainer Wandschneider: "Die Köpfe hängen lassen ist verboten."
Wenn man mit null Punkten am Ende der Tabelle und mit einer Summe unbekannter Größe in der Kreise steht, freut man sich schon über Kleinigkeiten. Beim TSV Dormagen, dem finanziell und sportlich krisengeschüttelten Schlusslicht der Handball-Bundesliga, waren es unter der Woche gleich drei Neuigkeiten, die solche Gefühle auslösten.
Die eine kam aus der Geschäftsstelle der Handball-Bundesliga (HBL) in Dortmund. "Wir haben das Problem eingegrenzt", erklärte Frank Bohmann mit Blick auf die Finanzlücken beim Vorjahresaufsteiger, "ohne konkrete Zahlen zu nennen, kann man sagen, dass die Summen von 1,8 bis 2,5 Millionen Euro völlig fehl am Platze sind", ergänzte der HBL-Geschäftsführer. Diese Zahlen waren in der Vorwoche von "ZDF online" in Umlauf gebracht und vom TSV-Vorsitzenden Karl-Josef Ellrich umgehend zurückgewiesen worden. Ellrich ist nach wie vor optimistisch, die Probleme in den Griff zu bekommen. Eine Frist, innerhalb derer dies zu geschehen hat, ist den Dormagenern von der HBL aber nicht gesetzt worden.
Neuigkeit Nummer zwei kam aus dem TSV-Sportcenter am Höhenberg. Dort hat Florian Wisotzki im Training die ersten Wurfversuche seit seiner Knieoperation Mitte August absolviert. In allzu große Euphorie will Kai Wandschneider deshalb nicht ausbrechen: "Das sah zwar schon ganz gut aus", sagt der Trainer, "aber wir werden Flo nicht unter Druck setzen." Mit einer Rückkehr des Kapitäns und Führungsspielers ins spielende Aufgebot rechnet er frühestens zum Gastspiel beim Aufsteiger TSV Hannover.Burgdorf, das am 6. November auf dem Spielplan steht. Morgen (19 Uhr, Sparkassen-Arena Elsenfeld), wenn der TSV beim TV Großwallstadt aufläuft, wird Wisotzki allenfalls zur moralischen Unterstützung mitreisen.
Für die Neuigkeiten Nummer drei zeichnete die unmittelbare Konkurrenz im Abstiegskampf verantwortlich: Die patzte nämlich unter der Woche und ermöglichte es den Dormagenern so, trotz eigener Punktlosigkeit nicht den Anschluss zu verlieren. Hannover (26:30 gegen die zuvor auch erst ein Mal siegreiche MT Melsungen) und der andere Aufsteiger HSG Düsseldorf (1:11 Punkte nach der 21:29-Niederlage gegen den gleichfalls bis dahin nur ein Mal siegreichen SC Magdeburg) verloren ihre Heimspiele. Hannover (2:8 Punkte) muss am Sonntag nach Berlin, Minden (2:8) nach Hamburg, Balingen (2:8) erwartet Gummersbach – im Tabellenkeller bleibt es eng.
Doch nicht nur deshalb fällt es Wandschneider verhältnismäßig leicht, Durchhalteparolen auszugeben: "Wir dürfen uns jetzt nicht aufgeben, wir müssen uns in die Saison 'reinkämpfen." Sondern auch, weil er mit der Einstellung seiner Schützlinge nach wie vor überaus zufrieden ist: "Die Jungs ziehen voll mit, die wollen alle. Wir sind im Training in dieser Woche bis an die Grenze der Belastbarkeit gegangen". Geübt wurde vor allem das schnelle Umschalten von Angriff auf Abwehr, "denn die meisten Tore haben wir nach Gegenstößen kassiert", hat Wandschneider erkannt. Und noch ein Problem ist ihm nach der 23:27-Niederlage gegen Balingen bewusst geworden: "Uns fehlt die Leistungshierarchie im Kader." Deshalb fordert er vor der morgigen Partie: "Wer die Nummer eins auf seiner Position ist, muss auch klar zeigen, dass er die Nummer eins ist." Eine zweite Forderung schiebt der Handball-Lehrer gleich hinterher: "Die Köpfe hängen zu lassen ist verboten." Vielleicht gibt's dann irgendwann auch einen größeren Anlass, sich zu freuen.




