DIE WELT DES SPORTS
Staffettenwechsel
VON VOLKER KOCH -Nach sieben Jahren gibt Dieter Welsink den Vorsitz im Kreissportbund ab, um sich ganz auf sein Amt als CDU-Fraktionschef im Kreistag zu konzentrieren. Nachfolgerin Dagmar Schröder ist die erste Frau an der KSB-Spitze.
Dagmar Schröder weiß schon jetzt, was in den anderthalb Jahren ihrer Amtszeit ihre vorrangige Aufgabe sein wird: "Einen Nachfolger suchen." Denn eigentlich, sagt die Jüchenerin, "bin ich mit meinen 69 Jahren zu alt für dieses Amt." Deshalb hatte sie sich auch Bedenkzeit ausgebeten, als Dieter Welsink sie vor ein paar Wochen fragte, ob sie nicht seine Nachfolge an der Spitze des Kreissportbund (KSB) antreten wolle.
Dessen Vorstand gehört Dagmar Schröder seit 1996 an, zuletzt bis vor einem Jahr als Zweite Vorsitzende. Nach der Satzungsänderung und der darauf folgenden Umstrukturierung des Vorstandes war sie eine von vier Stellvertretern Welsinks. "Wir wollten die Kontinuität wahren", sagt Dagmar Schröder auf die Frage, warum sie schließlich trotz aller Bedenken doch "Ja" sagte. Seit gestern ist die 69-Jährige, die verbandspolitische Erfahrung unter anderem als Präsidiumsmitglied des Deutschen Turnerbundes ´(DTB) sammelte, die erste Frau überhaupt an der Spitze des KSB, der offiziell "Sportbund Rhein-Kreis Neuss" heißt.
Dabei war Dieter Welsink keineswegs amtsmüde. im Gegenteil: "Der KSB-Vorsitz war eines der schönsten Ämter, die ich wahrnehmen durfte", sagt der 51-Jährige. Im Februar 2002 hatte der ehemalige Kanu-Weltmeister die Nachfolge von Volker Staufert angetreten. Vor elf Monaten hatte er nach einstimmiger Wiederwahl seine vierte Amtszeit angetreten.
Dass sie nicht einmal ein Jahr später endet, möchte der Zonser nicht als "Rücktritt" bewertet wissen. Sondern als Amtswechsel. Welsink will sich künftig ganz auf seine neue Aufgabe als Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag konzentrieren: "Die größte Partei im Kreistag zu führen bedeutet eine Menge Verantwortung. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht verzettelt."
Das um so mehr, als er als "mittelständischer Unternehmer" – Welsink ist geschäftsführender Gesellschafter der medicoreha – ohnehin über ein ausgefülltes Zeitbudget verfügt; für die konstituierende Sitzung des Kreistages Ende Oktober unterbricht er eigens seinen Afrika-Urlaub.
Welsink scheidet mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem höchsten Sportamt im Rhein-Kreis Neuss: "Der KSB-Vorsitz war ein schönes Amt, aber es gibt wichtigere", sagt er. Und: "Ich bin über den Sport in die Politik gekommen. Dieser Verantwortung muss ich mich jetzt stellen." Dem Sport geht er dadurch allerdings nicht gänzlich verloren. Erstens will er "das Thema Sport noch stärker als bisher in der Politik verankern."
Und meint damit nicht nur die eigene Fraktion. Denn der Sport, seine Verbände und Vereine sind für ihn "unsere wichtigsten Sozialpartner, was Familien- und Gesundheitspolitik" angeht. Auf der anderen Seite sei Sport aber auch "ein sehr starker Standortfaktor", den es zu erhalten und auszubauen gelte: "Die Förderung des Spitzensports sehe ich als originäre Aufgabe des Kreises an", sagt Welsink, "wir müssen jungen Leuten die Möglichkeit geben, sich hier in diesem Bereich zu bewegen, sonst verlassen sie den Rhein-Kreis."
Zweitens soll er nach dem Willenseiner Fraktion und ihres Koalitionspartners FDP die Nachfolge von Eberhard Hücker als Präsident der "Stiftung Sport der Sparkasse Neuss und des Rhein-Kreises Neuss" antreten. Deren Arbeit möchte Welsink – seinen Platz im Stiftungsvorstand nimmt automatisch Dagmar Schröder ein – neue Impulse verleihen: "Ohne die Stiftung Sport wäre Nicolas Limbach bestimmt nicht Weltmeister geworden – zumindest nicht für einen Verein aus dem Rhein-Kreis Neuss."
Leistungs- und Spitzensport könne sich aber nur entwickeln, "wenn die Rahmenbedingungen stimmen," sagt Welsink. Dies gelte für die Infrastruktur – "deshalb prüfen wir zur Zeit die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Bau einer Multifunktionshalle" – als auch für die Organisationsstruktur: "Wir brauchen mehr hauptamtliche Trainer, damit die Qualität stimmt."




