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Hausgemachte Schwierigkeiten

DIE WELT DES SPORTS

Hausgemachte Schwierigkeiten

VON VOLKER KOCH -Der TVK hat es in der starken 2. Liga Süd ohnehin schwer – jetzt kommt interne Unruhe hinzu.

Zwei Dinge sind es, die im Abstiegskampf niemand gebrauchen kann, egal in welcher Sportart, egal in welcher Spieklasse: Verletzungen und Knatsch hinter den Kulissen. Fünf Wochen nach Saisonbeginn wird Handball-Zweitligist TV Korschenbroich von beidem heimgesucht – und das in einer Liga, die sich ausgeglichener präsentiert denn je: Den Tabellensechsten TV Bittenfeld (7:5) trennen nach sechs Spieltagen gerade mal vier Zähler vom Vorletzten, der Tuspo aus Obernburg (3:9).

Mitten drin: Der TV Korschenbroich, mit einem Spiel im Rückstand (4:6 Punkte), der nach leidlich gutem Beginn mit den Heimsiegen über TuSEM Essen (29:28) und HG Saarlouis (41:39) und der achtbaren 21:22-Niederlage beim TV Bittenfeld aus dem Tritt geraten zu sein scheint. Der 28:39-Schlappe beim souveränen Spitzenreiter TSG Friesenheim folgte am Samstag die 24:26-Heimniederlage gegen Concordia Delitzsch. Und es droht weiteres Ungemach: Morgen (19 Uhr, Erzgebirgshalle in Lößnitz) beim heimstarken Tabellensiebten EHV Aue, am Samstag (19.30 Uhr, Waldsporthalle) gegen den bislang überraschend stark aufspielenden Tabellenvierten HC Erlangen.

Einen kann diese Situation nicht verwundern: Khalid Khan. "Ich glaube, wir sind von vielen vor Saisonbeginn stärker eingeschätzt worden als wir tatsächlich sind", sagt der Korschenbroicher Trainer. Der 60:0-Punkte-Durchmarsch durch die Regionalliga West habe offenbar Erwartungen geweckt, die sein Team so nicht erfüllen könne: "Zwischen Regionalliga und Zweiter Liga, vor allem der im Süden, liegen Welten."

Das merken vor allem jene Spieler, für die die Zweite Liga Neuland ist. Christian Rommelfanger etwa, zusätzlich durch eine verletzungsbedingte Zwangspause während der Vorbereitungszeit gehandikapt, findet sich in der neuen Umgebung noch gar nicht zurecht. Dabei gehörte er in der Regionalliga zu den torgefährlichsten Angreifern, nicht nur beim TVK.

Doch Erfahrung im Unterbau der "stärksten Liga der Welt" haben nur sieben Akteure aus Khans ohnehin nur 13-köpfigem Kader. Handballspiele werden freilich immer öfter "von der Bank" gewonnen, besonders dann, wenn das Tempo hoch und der Kräfteverschleiß entsprechend ist. Und hohes Tempo war bislang immer das Markenzeichen des TVK. Doch hohes Tempo kann eine Stammsieben nicht ständig spielen, schon gar nicht wie jetzt in einer "englischen Woche". Also gewinnt meist der, der über gute Einwechselspieler verfügt. "Delitzsch hat das Spiel gewonnen, weil sie hinten 'raus mehr zuzusetzen hatten", sagt Khan rückblickend auf die 24:26-Niederlage.

Seinen – überwiegend jungen – Akteuren der zweiten Reihe will er da keinen Vorwurf machen: "Sie trainieren gut, sie geben alles. Nur sie brauchen noch Zeit." Zeit, die sie aber nicht haben beim TVK. Vor allem dann nicht, wenn nicht alle Leistungsträger als solche auftrumpfen. David Breuer, der Torschütze vom Dienst, fehlte in zwei Partien wegen einer hartnäckigen Zerrung. Am Samstag schied Marcel Görden früh aus. Als der Junioren-Nationalspieler ging, führten die Hausherren noch mit 7:5. Seinen Platz am Wurfkreis nahm Jörn Ilper ein. Der ist zwar mit 34 Jahren der Älteste im Kader und mit mehr als 250 Erstliga-Einsätzen für Dormagen und Gummersbach auch der mit Abstand Erfahrenste.

Doch Ilper war und ist ein ständiger Unruheherd, egal, welches Trikot er gerade trägt. Ob es unter diesen Vorzeichen klug war, ihn offiziell – und wie zu hören, wohl ohne Rücksprache mit dem Chefcoach – zum "Co-Trainer" zu befördern, müssen die Korschenbroicher Teamverantwortlichen mit sich ausmachen. Ihm jetzt schon nach seinem Karriereende zum Saisonschluss den Aufstieg zum "Sportlichen Leiter" in Aussicht zu stellen, war definitiv ein Fehler, denn so wird die Autorität des Trainers in einem schleichenden Prozess unterhöhlt. Im Abstiegskampf kann das tödlich sein.

Khan hat die Muskeln spielen lassen und Ilper für ein Spiel suspendiert. Aus der Personalnot heraus "feierte" der Routinier am Samstag sein Comeback, ein alles andere als überzeugendes. Khan lässt keinen Zweifel daran, dass er im Wiederholungsfalle erneut zu dieser Maßnahme greifen wird. Die Mannschaftsverantwortlichen bringt er so – gewollt oder ungewollt – in eine verzwickte Situation: Entweder stärken sie ihrem aktuellen Trainer oder ihrem designierten Sportlichen Leiter den Rücken. Ohne Khalid Kahn dürfte der Weg des TVK geradewegs zurück in die Regionalliga führen – doch da braucht man keinen Sportlichen Leiter mehr. Weise Vereinspolitik sieht anders aus.

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